• Ben.

Eine neue Arbeiswelt. Aber wie?


Ich bewege mich in digitalen und analogen Welten, in denen es sehr stark um neue Arbeit und neues Lernen geht. Es ist eine meiner Bubbles. Denn es gibt auch viele Menschen in anderen Bereichen meines Lebens und überhaupt auf der Welt, in deren Alltag Themen wie neue Arbeit und neues Lernen kaum eine Rolle spielen. Diese Lücke, die mir zwar sehr bewusst ist, zeigte sich in den letzten Wochen immer mehr.

Da ist einmal der New Work Begriff, der vor vielen Jahren von Frithjof Bergmann geprägt wurde. Dabei ging es aber nicht um Dinge wie Homeoffice, ortsunabhängiges Arbeiten oder Siebträgermaschinen und Obstkörbe, sondern darum, dass die Menschen das tun können, was sie wirklich wirklich wollen. In seinem Buch «Neue Arbeit, neue Kultur» schrieb er u. a. aus seinen Erfahrungen mit den Arbeitern in der amerikanischen Autoindustrie und beschrieb Möglichkeiten und Wege, eben zu dem zu finden, was wir wirklich wirklich wollen. Es geht aber auch darum, die Arbeit anders zu sehen und auch zu leben. So zeichnet er auch Bilder, bei denen Lohnarbeit nur ein Teil unseres (Arbeits-)Lebens ausmacht. Es scheint mir, als haben diese Gedanken nicht nur bis heute überlebt, sondern sie passen ganz gut in die heutige Zeit. Die Sehnsucht nach dieser Art von Leben oder zumindest das Interesse an dieser «neuen« Arbeit scheint auch heute gross zu sein. So konnte er seinen Vortrag an der XING New Work Experience 2017 kaum beenden. Viele seiner Gedanken sind aber bis heute eine Utopie geblieben. New Work ist heute für viele aber eben Homeoffice, ortsunabhängiges Arbeiten, agiles Arbeiten oder all die Benefits, die Angestellte erhalten. Natürlich ist das schön, gut und angenehm, aber was ist denn New Work nun genau?



Leider kann ich das nicht sagen und ich bin mir nicht sicher, ob das irgendjemand kann. Die Welt verändert sich und vieles was zu der Zeit, in der das Buch von Bergmann entstand, kaum denkbar war, ist heute Realität und die Corona Pandemie hat vieles noch einmal beschleunigt. Gerade weil sich vieles so schnell verändert, müssen und dürfen wir immer wieder neue Lösungen und Wege finden. Wir bewegen uns bei New Work heute also irgendwo zwischen dem New Work-Ansatz von damals und dem New Work von heute.


Immer schneller

Die Welt hat sich immer schon verändert und das wurde vor allem durch den technischen Fortschritt beschleunigt. Wir leben und arbeiten heute in einem deutlich schnelleren Tempo als früher. So sind wir, wenn wir wollen, immer und überall erreichbar. Die Einkäufe können wir von zu Hause aus erledigen, für Sitzungen müss(t)en wir nicht mehr durch die Welt fliegen und um etwas herauszufinden, gehen wir anstatt in die Bibliothek kurz ins Internet. Wenn wir das anschauen, dann sind wir doch längst in dieser neuen (Arbeits-)Welt oder nicht?


Da sind noch blinde Flecken

Zu Beginn habe ich von meiner Bubble gesprochen, in der ich mich bewege. Mir scheint es, als gingen in (fast) all den Themen Menschen vergessen und zwar die, die nicht sogenannte Wissensarbeiter*innen sind. Es gehen die vergessen, die am Existenzminimum oder in Armut leben, die Stellensuchenden in der Arbeitslosigkeit, die stillen und wichtigen Arbeiter*innen wie zum Beispiel in der Reinigung, im Transportwesen oder die Menschen, denen Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Umgang mit Smartphone und Computer fehlen und all die anderen, die ich leider nicht alle aufzähle. Was haben sie alle von der schönen neuen Lern- und Arbeitswelt?

Eigentlich sind doch alle neuen Ansätze von Arbeit und Lernen irgendwie «New»

Wie die Welt hat sich auch die Arbeit bereits immer irgendwie gewandelt. Es sind vor allem die äusseren Umstände, die sich verändert haben aber wie haben sich die Menschen verändert oder welche Möglichkeiten haben sich für die Menschen ergeben? Sowohl in Bezug auf Schule, wie auch die Arbeitswelt lese und höre ich in letzter Zeit vermehrt, wie sie aus einem militärischen Denken und Handeln entstanden sind. Obwohl sich so vieles gewandelt hat, lernen und arbeiten wir noch immer nach diesem System. Einfach gesagt: Jemand befiehlt/lehrt und die anderen folgen. Ist denn wirklich alles Neue, das nach diesem System funktioniert irgendwie New Work oder nur altes mit etwas Lametta?


Die Realität

Es ist nicht so, dass ich einen Anspruch darauf hätte, die Realität zu kennen. Ich möchte viel eher das oder ein Bild zeichnen, welches das Grosse Ganze etwas besser zeigt und nicht Menschen ausschliesst oder die ganze neue Arbeit romantisiert. Es gibt für mich nicht das Patentrezept für andere und bessere Arbeitsformen oder neues Lernen. Wichtig ist aber, dass wir alle auf diesen Weg mitnehmen.


Neue Arbeit - wie soll denn das nun gehen?

Schon wieder eine Frage, auf die ich keine fertige Antwort habe. In diesem Text habe ich immer wieder neue Arbeit mit neuem Lernen ergänzt. Für mich gehen diese beiden Begriffe Hand in Hand. Wenn Unternehmen sich auf den Weg zu «New Work» machen und eine Idee, ein Ziel oder eine Vision haben, dann kommt noch vieles auf sie zu. Es geht um das Lösen vom gewohnten, also auch raus aus der Komfortzone. Das ist nicht nur für das Unternehmen so, sondern auch für alle Menschen in diesem System. Raus aus der Komfortzone ist oft auch einfach unangenehm. Es beginnt also neben dem Veränderungs- auch ein Lernprozess, bei dem die Lerninhalte und -ziele oft noch gar nicht klar sein können. Es ist ein Lernen im Gehen, im Scheitern und in den Erfolgen.


Deshalb ist dieser Weg zu neuen Arbeits- und Lernformen auch ein ganz individueller. Natürlich kann man sich auf bekannte Dinge wie Design Thinking, Agilität, Organisations-, System- und Führungstheorien, Erkenntnisse aus der Neurobiologie sowie auf bekannte Beispiele aus der Praxis beziehen. Es bleibt aber doch immer ein individueller Prozess, den ein Unternehmen und die Menschen die dazu gehören, gehen müssen.


Na wie passt denn das jetzt alles zusammen

Die Zukunft können wir nur dann wirklich nachhaltig gestalten, wenn wir alle Menschen mitnehmen. Dafür müssen und dürfen wir neue Wege finden. Wenn wir die Arbeitswelt verändern oder verbessern und die Themen rund um New Work, den Fachkräftemangel, psychische Gesundheit am Arbeitsplatz, Förderung von Grundkompetenzen (und ich schweife schon wieder etwas ab) angehen wollen, dann braucht es alle und es braucht neben einem neuen Verständnis für Arbeit auch ein anderes Verständnis fürs Lernen.


Weiterführende Informationen und Bücher


Einige Bücher Neue Arbeit, neue Kultur, Frithjof Bergmann

Reinventing Organizations, Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit, Frederic Laloux

Corporate Rebels, Wie Pioniere die Arbeitswelt revolutionieren Podcasts

New Work Utopia: Eine bessere Arbeitswelt ohne Angst und Panikmache! Prof. Carstenn Schermuly - Wissenschaftler, Wie funktioniert New Work, wenn wir es wirklich, wirklich ernst meinen? New Work Bullshit: Werden die Erwartungen einfach nicht erfüllt? Carlos Frischmuth - Managing Director Hays + Autor, Erwartungen, die nicht erfüllt werden, führen zu Enttäuschungen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung?


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